Schlussfolgerung und Ausblick
Mit vorliegender Arbeit wurde die Entwicklung der Gamsräude in Südtirol aufgearbeitet.
Sowohl aus den Ergebnissen der Südtirol-spezifischen Daten, als auch aus der Literaturrecherche geht klar hervor, dass Reduktionsabschüsse kein geeignetes Mittel darstellen, um die Ausbreitung der Gamsräude aufzuhalten oder nachhaltig abzuschwächen.
Die negativen Auswirkungen eines Reduktionsabschusses sind hingegen nachhaltig und lange spürbar.
Foto: Forstdienst Wildtiermanagement, Jagd und Fischerei
Somit lässt sich sagen, dass Reduktionsabschüsse kein adäquates Mittel darstellen,
die Gamsräude zu bekämpfen oder einzudämmen.
Beim Auftreten der Gamsräude ist Ruhe im Gamsbestand einer der entscheidendsten
Faktoren für den weiteren Verlauf des Räude-Geschehens. Eine der schwierigsten Aufgaben,
die es in diesem Zusammenhang zu lösen gilt, ist jene dem „Jäger“ zu vermitteln, dass er,
entgegen seiner Grundeinstellung, beim Auftreten der Gamsräude im Prinzip nichts
unternehmen kann bzw. soll. Beim Wiederaufbau des Bestandes nach dem Seuchenzug
verhält es sich im Prinzip sehr ähnlich. Nur durch die jagdlichen Tugenden – Zurückhaltung
und Geduld – wird man das Ziel eines möglichst resistenten und arttypisch organisierten
Gamsbestandes erreichen. Das Auftreten von Wildtierkrankheiten hat oftmals gut gemeinte
jagdliche Maßnahmen zur Folge, deren Auswirkung aber vielfach zur Verschlechterung der
Situation führt. Die Frage, ob dies nun daran liegt, dass der „Jäger“ alles erdenkliche
unternehmen will, um „seinen“ Bestand zu retten oder ob er nach der Devise handelt, „bevor
sich die Krankheit das Stück holt, hole ich es mir lieber selbst“, soll und muss sich jeder selbst
beantworten. Hegeabschüsse müssen jedenfalls im vollen Umfang für die Abschussplanung
berücksichtigt werden. Fakt ist, dass unüberlegte Schnellschussaktionen (in diesem Falle im
wahrsten Sinne des Wortes) beim Auftreten von Wildtierkrankheiten wohl nicht zum Wohle
des Wildes sind.
Die Wildtiergenetik spielt beim Thema Gamsräude eine zentrale, bzw. DIE zentrale Rolle.
Dahingehend bedarf es weiterführender, phylogenetischer Studien. Eine detaillierte
Betrachtung der MHC-Variabilität der Gämsen östlich und westlich der Eisacktalfurche könnte
hier interessante Erkenntnisse liefern.
